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Fast so wie bei der Wasserschlacht

Die ,,Wasserschlacht von Frankfurt" kam Jugendleiter Marcus Merkel in den Sinn, als er am Montag den Rasenplatz der SKV Büttelborn sah. Ohnehin auf moorigem Gelände gebaut, war das Spielfeld von ergiebigem Regen durchweicht.

Ausgerechnet jetzt, am Vortag des Gastspiels der Fußball-Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt. Der Zustand des Platzes war am Dienstagabend zwar nicht ganz so schlimm wie der des Frankfurter Waldstadions am 3. Juli 1974, als die deutsche Nationalmannschaft den Wasserlachen und dem Gegner Polen trotzte, um sich mit einem 1:0-Sieg fürs Finale der Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Aber schwierig zu bespielen war der Rasen immer noch.

Das hinderte die ehemaligen Eintracht-Profis und die SKV-Oldboys nicht daran, dem Publikum ein unterhaltsames Spiel zu bieten. Vor 500 Zuschauern, darunter Falkner Norbert Lawitschka mit Eintracht-Maskottchen Steinadler Attila auf dem Arm, hielten die SKV-Routiniers bis in die zweite Halbzeit hinein mit den Fußballpromis mit, schafften sogar das Ausgleichstor zum 3:3, ehe die Eintracht zulegte und mit 9:3 (3:2) gewann. Für die Frankfurter trafen Patrick Falk (3), Andree Wiedener (2), Harald Krämer, Thomas Zampach, Ronald Borchers und Patrick Glöckner. Die Büttelborner Tore schossen Ronald Senßfelder, Alexander Stark und Tommi Baum. Einen Achillessehnenriss erlitt Büttelborns Andreas Geyer, als er im Laufduell versuchte, Zampach einzuholen. Im Vorspiel gewannen die U10-Junioren der SKV mit 4:3 gegen Germania Weilbach.

Weniger die Wasserschlacht denn ein anderes legendäres Spiel im Waldstadion kam SKV-Jugendtrainer Frank Kasper in den Sinn, als er der Traditionsmannschaft zusah: Zwei ihrer Spieler, Karl-Heinz Körbel und Ronald Borchers, gehörten jenem Eintracht-Team an, das am 21. Mai 1980 den Uefa-Pokal gewann. Kasper erzählte, den 1:0-Sieg im Finalrückspiel gegen Borussia Mönchengladbach (das Hinspiel hatte die Borussia mit 3:2 gewonnen) im Stadion erlebt zu haben.

Und nun, als Regionaldirektor der Volksbank (Voba) Groß-Gerau, initiierte er das Gastspiel der Eintracht-Größen von einst: Bei einer Voba-Verlosung wurde die SKV als Gastgeber der Eintracht gezogen. Beim anschließenden kreisweiten Kartenvorverkauf stellte Kasper eine ,,Riesenresonanz" fest. Was ihn nicht zuletzt deshalb freute, weil von den fünf Euro teuren Tickets jeweils zwei Euro an die Volksbank-Stiftung ,,Hoffnung für Kinder" gehen, die Not leidende Kinder im Kreis Groß-Gerau unterstützt. Dabei steht die auch einzelnen Hilfesuchenden bei. ,,Manchmal fehlt zum Beispiel eine Matratze", berichtete Kasper: ,,Oder die Kinder haben keinen Anorak, obwohl es draußen schweinekalt ist."

Dem wohltätigen Zweck zugute kam auch eine Aktion beim SKV-Weinfest. Bei einer Versteigerung gab es einen viertelstündigen Einsatz im Prominentenspiel zu gewinnen. Und diese Chance ließ sich der Büttelborner Gastwirt Georg Vorderwülbecke nicht entgehen. Also wurde der Schorsch, wie ihn seine Freunde nennen, 15 Minuten vor Schluss beim Stand von 3:6 eingewechselt, begleitet vom Jubel der Besucherschar. Der 166 Kilo schwere Vorderwülbecke, der sein Körpergewicht als Rückennummer trug, ist ja auch eine imposante Erscheinung. Fortan hütete er das Tor. Genau dies habe er vor Jahrzehnten für die SG Eintracht Rüsselsheim getan, erzählte er.


Für ihn verließ Ulrich Rein das Feld. Der Mann mit der Rückennummer 1000 - mehr als 1000 Einsätze für die SKV hat Rein hinter sich - brachte die Ex-Profis mit mancher Glanzparade zur Verzweiflung. Vorderwülbecke hingegen versuchte auf subtile Art, die namhafte Gegnerschaft zu verunsichern. Als ihm ein Elfmeter bevorstand, rief er dem Schützen zu: ,,Schieß net so fest!" Der angesprochene Ronald Borchers lächelte - und donnerte den Ball zum 3:7 unter die Latte.

Die kuschelige Seite des Hünen erlebte Thomas Zampach, nachdem er fünf Meter vorm SKV-Tor über den Ball getreten hatte. Gespielt verschämt vergrub der 40 Jahre alte Mittelfeldspieler sein Gesicht am massigen Körper Vorderwülbeckes, um sich dann mit Liegestützen für seinen Patzer zu bestrafen. Zu Zampachs Ehrenrettung sei an den durchweichten Platz erinnert. Gut möglich, dass ihm der Ball deshalb versprang.

Zum Schluss machte auch Volker Greuel seine ,,Wasserschlacht"-Erfahrung. Der ehemalige Spielertrainer der SG Dornheim schlitterte beim Versuch, den Ball grätschend zu erhaschen, auf die unter Wasser stehende Laufbahn. Das Publikum johlte, während sich der klatschnasse Eintracht-Fußballer aus der Pfütze erhob. Und Marcus Merkel machte ihn via Lautsprecher darauf aufmerksam, dass er bei der SKV-Tauchabteilung sicherlich als Mitglied willkommen wäre.

www.echo-online.de 26.08.2010

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