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Erschienen am Mittwoch, dem 14.02.2007 in Frankfurter Rundschau
Frankfurter Rundschau: Herr Dr. Pröckl, das Stadion ist stets randvoll, die Kasse sicher auch. Es muss doch derzeit richtig Spaß bringen, als Finanzvorstand von Eintracht Frankfurt zu arbeiten?
Thomas Pröckl: Es ist auf alle Fälle leichter als in den Jahren 2001 und 2002, als wir jeden Tag ums Überleben gekämpft haben. Inzwischen verfolgen wir ganz andere Ziele. Wir wollen unseren Umsatz derart steigern, dass wir die Klubs im gehobenen Mittelfeld angreifen können.
Real Madrid als weltweit umsatzstärkster Klub nimmt fast 300 Millionen Euro ein, Benfica Lissabon liegt mit 85 Millionen Euro Umsatz auf Rang 20 der Top-20 in Europa. Wie weit ist die Eintracht da noch entfernt?
Wir erwarten in dieser Saison einen Umsatz von rund 63 Millionen Euro. Der ist jedoch maßgeblich beeinflusst durch die Einnahmen aus dem Uefa-Cup. Im Vergleich zur Vorsaison wird es auf eine Steigerung von rund zehn Millionen Euro hinauslaufen. Allein aus der Bundesliga würden wir auf Einnahmen von allerhöchstens 50 bis 55 Millionen Euro kommen.
Es fehlen also noch 22 Millionen bis zu Lissabon. Kann Eintracht Frankfurt diese Lücke auf absehbare Zeit schließen?
Das ist die große Herausforderung, die wir jetzt vor uns haben. Aber uns sind Grenzen gesetzt, weil uns das Stadion nicht gehört und wir es nicht ganzjährig nutzen.
In England wird den ganzen Winter inklusive der Weihnachtsfeiertage Fußball gespielt. Warum bietet man in Deutschland sein teuer bezahltes Produkt in kurzen Hosen so selten an? Die Zuschauer gieren doch nach mehr als 17 Bundesliga-Heimspielen.
Sie haben völlig Recht. Uns ist es absolut unverständlich, weshalb die Liga nicht auf 20 Mannschaften erhöht wird. Wir könnten die Winterpause entweder fallen lassen oder zumindest stark verkürzen. Wir würden auch im Sommer lieber länger spielen. In der schönsten Jahreszeit machen wir Urlaub.
Anfang Mai ist Schluss...
... das verstehe, wer will. Das tut uns sehr weh. Wir sind in diesem Sommer über die Dörfer getingelt. Das ist gut fürs Image, aber nicht unmittelbar gut fürs Geschäft.
Sie sind Gast in der Arena im Frankfurter Stadtwald, die von dem Gemeinschaftsunternehmen von Sportfive und der HSG betrieben wird. Ist das ein Nachteil etwa im Vergleich zu einem Klub wie Borussia Mönchengladbach, der sich sein Stadion selbst gebaut und über Bankkredite finanziert hat?
Der Vorteil für uns ist, dass wir uns auf unser Kerngeschäft Fußball konzentrieren können. Wir müssen uns nicht um sonstige Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerte bemühen. Außerdem haben wir mit der Betreibergesellschaft einen umsatzabhängigen Vertrag geschlossen. Das heißt: Wenn es uns einmal nicht mehr so gut gehen sollte, würden wir auch weniger Miete zahlen müssen.
Wie viel zahlen Sie in dieser Saison?
Wegen des Uefa-Cups zwischen sieben und acht Millionen Euro. Wir sind mit der Situation zufrieden, zumal wir ja gar nicht in der Lage gewesen wären, uns ein Stadion selbst zu bauen. Uns hätte ja niemand Geld dafür geliehen. Wir haben im Juni 2002 um die Lizenz gekämpft, nicht um die Hypothek für ein Stadion.
Sie gelten als Sparkommissar. Wir stellen uns das so vor: Vor Saisonbeginn kam Ihr Vorstandskollege Heribert Bruchhagen gemeinsam mit Trainer Friedhelm Funkel zu Ihnen wegen Nelson Valdez, den die Eintracht seinerzeit haben wollte. Sie haben den beiden dann klar gemacht, dass Valdez zu teuer wird. So ist aus dem Transfer nichts geworden.
Nein. So läuft es nicht bei uns. Das ist absoluter Quatsch. Wir einigen uns im Vorstand vor Saisonbeginn auf ein Budget für den Lizenzspielerbereich. In diesem Rahmen, etwas mehr als 20 Millionen Euro, schaut dann Heribert Bruchhagen, wen er bekommen kann. Er muss bei mir nicht betteln kommen.
Und wenn der Rahmen mal gesprengt werden soll, weil ein heißer Kandidat am Markt ist, aber etwas mehr kostet, als der Etat hergibt?
Wir haben inzwischen einige Reserven, nur etwa zwei, drei Millionen Euro. Wir könnten, so der Aufsichtsrat zustimmt, also auch in einem solchen Fall tätig werden. Aber nur im sehr überschaubaren Rahmen. Wir planen sehr konservativ. Darüber sind wir uns einig.
Sie selbst haben bei der Eintracht eine schlimme Zeit erlebt, als Newcomer im Fußballgeschäft, der von Heidelberger Druck zum Chaosklub kam. Wie war das damals?
(lacht) Mich zeichnet ein großes Maß an Selbstvertrauen aus, dass ich mit neuen Herausforderungen erfolgreich umgehen kann. Als ich im November 2000 zur Eintracht kam, sagte man mir, ich solle mich ein bisschen um die Finanzen kümmern. Keine große Sache, wenn noch Geld benötigt wird, schießt Octagon nach. Sonst sei alles bestens. Ich habe dann festgestellt, dass es zwar willige und fähige Mitarbeiter gab, die allerdings überhaupt nicht geführt wurden. Jeder hat das gemacht, was er persönlich für richtig hielt. Es wurden kaum Informationen ausgetauscht. Es gab keine Struktur.
Die Eintracht AG war seinerzeit ins Westend an den Grüneburgweg umgezogen und sollte mit dem US-amerikanischen Partner Octagon ein Global Player werden. Es waren ja immerhin plötzlich dank Octagon 50 Millionen Mark da.
Nein. 20 Millionen Mark waren schon weg für die Altschulden der Profiabteilung im Verein. Außerdem hatten wir eine Reihe sehr teurer Spielerverträge. In der Saison 2000/2001 waren die Spielergehälter höher als in der vergangenen Saison. Ich habe dem Aufsichtsrat dann recht schnell offen gelegt, dass wir auch mit dem Geld von Octagon nicht weit kommen.
Und dann?
Dann haben wir nach dem Abstieg das Gehaltsvolumen erheblich verkleinert. Octagon hat uns noch einen Kredit über 3,8 Millionen Euro gegeben. Das hat uns das Überleben überhaupt nur ermöglicht. Sonst hätten wir das Licht ausschalten können.
Es war die Zeit, als Sie Jahresverluste von 18 Millionen Euro bekannt geben mussten. Waren Sie seinerzeit auch mal kurz davor, den Bettel hinzuschmeißen?
Ganz so weit war es nie. Aber ich habe seinerzeit natürlich hautnah zu spüren bekommen, wie mies das Image von Eintracht Frankfurt tatsächlich war. In den persönlichen Gesprächen habe ich das als knüppelhart empfunden. Das Wort "Konzept" haben wir uns schon gar nicht mehr getraut, in den Mund zu nehmen, weil das niemand mehr hören wollte.
Auch nicht die Banken?
Wir hatten einige Termine bei Bankvorständen. Wir wurden dann sehr schön zum Essen eingeladen im obersten Stockwerk. Aber kaum jemand wollte noch mit uns zu tun haben. Fast jeder hatte auf irgendeine Art und Weise eine Enttäuschung mit der Eintracht erlebt. Lediglich die Fraport AG hat sich damals zu uns bekannt und wurde 2001, nach dem Abstieg, Hauptsponsor. 2002 hat uns dann auch die Landesregierung beigestanden.
Was würde ein Abstieg im Jahr 2007 bedeuten?
Das wäre ein Rückschlag. Wir würden ein, zwei Jahre verlieren, sind aber zum Glück in der Lage, dass uns ein Abstieg finanziell nicht mehr an den Rand des Ruins treiben würde. Der Blick soll ja mittelfristig auch nach oben gehen: Richtung Uefa-Cup.
Müssten Sie da nicht mehr ins Risiko gehen?
Gegenfrage: Was heißt es, ins Risiko zu gehen?
Naja, auf den geplanten Etat noch zehn Millionen Euro oben drauf legen...
Wir haben uns darauf geeinigt, auch aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus, eine Politik der kleinen Schritte zu betreiben. Ball flach halten, erst mal hart arbeiten und nicht mit der großen Fahne schwenken. Denn: Die nächste Kategorie Spieler, die uns von einer Mannschaft um Platz zehn bis 13 zu einer Mannschaft mit Aussicht auf Platz fünf bis sieben bringt, kostet uns das Doppelte an Gehalt.
Aber hier in Frankfurt, im Herzen Europas, mit dem Flughafen und den Banken, die sich seit kurzem ja sogar am Klub beteiligen, muss doch mehr drin sein...
Unsere augenblickliche Situation ist bereits das Ergebnis der sehr guten Nutzung dieser Rahmenbedingungen. Für das Mehr ist noch Zeit und Geduld notwendig. Die höheren Ziele sind für uns überhaupt nur in Reichweite, wenn das Trainerteam eine sensationelle Arbeit macht, unser Heller so explodiert wie der Gomez beim VfB Stuttgart und wir darüber hinaus sehr viel Glück haben.
Haben Sie denn gar keine Visionen?
Unser Partner Continental durfte für unsere Eintracht-Fußballschule auf ein Auto drucken: "Wir fördern den deutschen Meister 2016."
Das haben Sie erlaubt?
(lacht) Der Aufdruck existiert schon seit zwei oder drei Jahren. Ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint.
Interview: Thomas Kilchenstein,
Jan Christian Müller
Quelle: Frankfurter Rundschau, mehr unter http://www.fr-online.de/
| TD | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bayern | 30 | 53 | |
| 2 | Schalke | 21 | 51 | |
| 3 | Leverkusen | 29 | 50 | |
| 4 | Hamburg | 18 | 43 | |
| 5 | Dortmund | 7 | 42 | |
| 6 | Bremen | 19 | 39 | |
| 7 | Stuttgart | 3 | 35 | |
| 8 | Eintracht | -4 | 35 | |
| 9 | Mainz | -4 | 35 | |
| 10 | Wolfsburg | -1 | 34 | |
| 11 | Hoffenheim | 4 | 32 | |
| 12 | M'Gladbach | -8 | 30 | |
| 13 | Köln | -10 | 27 | |
| 14 | Bochum | -16 | 27 | |
| 15 | Nürnberg | -20 | 21 | |
| 16 | Hannover | -20 | 20 | |
| 17 | Freiburg | -24 | 20 | |
| 18 | Berlin | -24 | 15 | |