Mehr Informationen
Erschienen am Montag, dem 13.02.2006 in Frankfurter Neue Presse
Von Rainer Jourdan
Frankfurt. Da muss man nicht lange überlegen: Von den bisher vier Heimniederlagen der Frankfurter Eintracht in dieser Bundesliga-Saison war das 0:1 am Samstag gegen Hannover 96 die mit Abstand ärgerlichste und irritierendste. Jeder hätte Verständnis gezeigt, wenn sich Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel hinterher entsprechend grantig präsentiert hätte.
Was aber nicht der Fall war. Und da zwischen Funkel und 96-Coach Peter Neururer die Chemie stimmt, ließ sich Ersterer unmittelbar nach dem deprimierenden Nachmittag auch auf die Sprüche Neururers („Für eine längere Analyse fehlt mir die Zeit, weil ich um acht Uhr warm essen will“) ein: „Damit Peters Essen nicht kalt wird, fasse ich mich kurz: 96 hatte keine Chance. Es war eine der unglücklichsten Niederlagen, die ich als Trainer je erlebt habe.“ Dann lachte Funkel kurz und fügte noch an: „Das wirft uns nicht um.“
Funkel und Neururer müssen, was ihre Sichtweisen anbetrifft, ähnlich gepolt sein, denn zuvor hatte der stets in den eigenen Sprachfluss Verliebte gemeint: „Als Trainer war es einer meiner glücklichsten Siege, denn die Eintracht war zweifelsfrei besser und speziell in der ersten Halbzeit konnten wir uns nicht vom Druck befreien und haben um ein Gegentor gebettelt.“
Und dass Neururer nie um eine Antwort verlegen ist, bewies er, als ihm zugetragen wurde, sein defensiver Mittelfeldspieler Hanno Balitsch würde sich für diesen Sieg sogar schämen: „Das spricht für seinen Charakter. Aber das hat auch einen anderen Grund: Balitsch ist nämlich Hesse.“
Auch der ehemalige Junioren-Nationalspieler von der Bergstraße, über Bayer Leverkusen und Mainz 05 nach Niedersachsen transferiert, hatte seinen Anteil daran, an einem derart engmaschigen Netz zu knüpfen, dass sich etliche Eintrachtler bis zur Ohnmacht darin verhedderten. Und dennoch hätte der Aufsteiger, der sich bei acht Punkten vor Rang 16 noch keine großen Sorgen machen muss, nicht verlieren dürfen.
Denn auch gegen die Spielverderber von der Leine, die mit nun zehn ungeschlagenen Ligaspielen in Serie ihren vereinseigenen, seit 40 Jahren währenden Oberhaus-Rekord eingestellt haben, gab es genug Chancen für Treffer. Aber was von Mitte Oktober bis Mitte Dezember so prächtig funktionierte, ist seit Rückrundenbeginn ins Stocken geraten: die Tore-Produktion (drei Treffer in vier Spielen).
Obwohl das Engagement, der Wille und die Spielanlage weiterhin kaum Wünsche offen lassen. Auch einige Umstellungen von Funkel (Chris spielte am linken Flügel für Köhler, bei dem der Trainer ein Durchschnaufen für notwendig hielt) bewirkten keinen Bruch, selbst wenn die Hereinnahme von Du-Ri Cha auf den rechten Verteidigerposten das Angriffsspiel auf dieser Seite kaum befruchtete.
Aber die Eintracht hatte genug andere Optionen, allein: Die letzte Konsequenz im Abschluss wurde schmerzlich vermisst. Vor allem Francisco Copado, dem im Spätherbst fast alles wie von selbst gelang, tat sich dabei hervor. Der kleine Spanier, als spielfreudiger Profi dennoch weiterhin unverzichtbar, versuchte sich nach einer Reinhard-Flanke als Hacken-Kunstschütze, was misslang (14.), er traf wenige Meter vor dem 96-Kasten, leicht behindert von Cherundolo, den Ball nicht richtig (42.), und er zauderte nach einer Stunde vor Torhüter Enke zu lange. Pech hatte er lediglich, als Enke seinen feinfühlig gezirkelten Freistoß in Klassemanier entschärfte (54.).
Copados Sturmpartner Ioannis Amanatidis erlebte einen Rückfall und ließ wie in den ersten Saisonspielen zu viele Bälle zu weit von sich wegspringen, Jermaine Jones ballerte aus gleicher Entfernung wie beim Ausgleich gegen Hertha vorbei (76.), Zuraw und Cherundolo retteten in letzter Sekunde gegen Amanatidis (29.) bzw. Meier (57.). Der Rest der Eintracht-Bemühungen prallte am Beton ab, den speziell Vinicius und Zuraw im Deckungszentrum anrührten.
Für den Eintracht-Fan, der nur bei Dabrowskis Hinterkopfball am Tor vorbei die Luft anhalten musste (69.), wäre all dies ja noch halbwegs zu ertragen gewesen, wenn, ja wenn da nicht die 78. Minute gewesen wäre. Jankov erhielt knapp 30 Meter vor Nikolovs Hütte den Ball, die Gefahr schien minimal, doch dann gelang dem Bulgaren wohl der Weitschuss seines Lebens, der unhaltbar einschlug. Wie meinte doch Jones hinterher: „Den trifft er bei zehn Versuchen im Training niemals so.“ Aber halt am Samstag.
Was Neururer sogleich den nächsten Coup ins Auge fassen ließ, mit seiner ganz speziellen Logik: „Ich gehe davon aus, dass wir am nächsten Samstag München schlagen. Wer so spielt wie wir in Frankfurt und trotzdem nicht verliert, der schlägt auch die Bayern.“
Quelle: Frankfurter Neue Presse, mehr unter http://www.fnp.de
| TD | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|
| 1 | Leverkusen | 29 | 45 | |
| 2 | Bayern | 27 | 45 | |
| 3 | Schalke | 16 | 42 | |
| 4 | Hamburg | 16 | 36 | |
| 5 | Dortmund | 4 | 36 | |
| 6 | Bremen | 14 | 31 | |
| 7 | Eintracht | -1 | 31 | |
| 8 | Mainz | -4 | 30 | |
| 9 | Hoffenheim | 4 | 28 | |
| 10 | Stuttgart | 0 | 28 | |
| 11 | Köln | -4 | 25 | |
| 12 | Wolfsburg | -5 | 25 | |
| 13 | M'Gladbach | -6 | 25 | |
| 14 | Bochum | -14 | 22 | |
| 15 | Freiburg | -19 | 19 | |
| 16 | Hannover | -13 | 17 | |
| 17 | Nürnberg | -20 | 16 | |
| 18 | Berlin | -24 | 11 | |