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"Eine komplette Spielanalyse dauert 4-5 Stunden"

Interview mit unserem Video-Analysten Marcel Daum

Wir waren zu Besuch im Büro von unserem Videoanalysten Marcel Daum und unterhielten uns mit ihm über seine täglichen Aufgabengebiete.

Effektive Unterstützung der Trainingsarbeit durch Videoanalysen: Marcel Daum und Oka Nikolov Effektive Unterstützung der Trainingsarbeit durch Videoanalysen: Marcel Daum und Oka Nikolov

www.eintracht.de: Hallo Marcel, wie sieht denn aus Deiner Sicht die Nachbereitung eines Spiel aus Sicht eines Videoanalysten aus?
Marcel Daum: Generell ist es so, dass das komplette Spiel in zwei unterschiedlichen Bereichen nachbereitet wird. Zum einen werden per Video taktische Aspekte untersucht und Fehler oder Fehlverhalten bspw. beim Verschieben analysiert, aber natürlich auch positive und gelungene Aktionen. Zum anderen bekommen wir alle statistischen Rohdaten über „Impire“ geliefert. Mit einer speziellen Software kann ich alle Laufwerte und individuellen Statistiken zum Spiel, wie beispielsweise Pässe, Ballkontakte, Zweikämpfe, Laufstrecke, Sprints und Positionierung (Heat-Map) auswerten.
Viele Laufwerte sind hauptsächlich für den Konditionstrainer (Christian Kolodziej) interessant. Und da es eine Fülle an Informationen und Werten gibt, stellen wir die wichtigsten und prägnantesten Fakten und Grafiken zum Spiel in einem Spielbericht für das Trainerteam zusammen.

www.eintracht.de: Was für ein Aufwand steckt dahinter?
MD: Ein Spiel von uns komplett zu analysieren und aufzubereiten dauert in etwa 4-5 Stunden. Die Vorbereitung eines Gegners ist da erheblich länger 3-4 Tage in etwa. Letztendlich hängt es aber immer an dem jeweiligen Trainer, wie intensiv er mit Videoanalysen arbeitet und wie oft er sie nutzen und einsetzen möchte. Das ist sehr unterschiedlich.

www.eintracht.de: Betrachten wir einmal die andere Seite, wie läuft der Arbeitsprozess zur Vorbereitung auf den nächsten Gegner ab?
MD: Ralf Weber beobachtet den kommenden Gegner immer Live und erstellt einen Gegnerbericht. Wir schneiden dann in der Woche vor dem Spiel interessante Szenen des Gegners aus den letzten 4-5 Saisonspielen zusammen. Das Ziel ist es dabei, die Mannschaft individual- und mannschaftstaktisch so gut es geht auf den Gegner vorzubereiten. Hierzu unterteilen wir die Ausschnitte in unterschiedliche Kategorien. So werden typische Ausführungen von Standardsituation, wie bei einer Eckball- oder Freistoßvariante aufbereitet. Außerdem konzentrieren wir uns auf den üblichen Spielaufbau sowie weitere individuelle Besonderheiten des Gegners, wie bspw. ihr Pressing-Spiel. Alles in allem werden die Stärken des Gegners, aber natürlich auch seine Schwachstellen herauskristallisiert.

www.eintracht.de: Wieviel Video-Material kommt da in etwa zusammen?
MD: Es entstehen ca. 30 Minuten Video-Material pro Gegner, welche in einer Sitzung mit dem Trainerstab detailliert durchgesprochen werden. Anschließend wird das Video auf die markantesten und prägnantesten Szenen auf ca. 12-15 Minuten gekürzt und der Mannschaft am Abend vor dem Spiel vorgestellt.

www.eintracht.de: Kann man bei solchen detaillierten Analysen vom Gegner überhaupt noch überrascht werden?
MD: Das Grundgerüst ist meistens klar, aber letztendlich sind die Videoanalysen eine Unterstützung für die Trainer und Spieler, was sie auf dem Platz bzw. im Spiel erwarten kann. Aber eine vollkommene Voraussage des Spielverhaltens des Gegners ist nicht möglich. Der eigentliche Spielverlauf und viele weitere Faktoren können dann unterschiedlich ausschlagen. Zumal der Gegner ja auch uns beobachtet und sich eine Strategie überlegt uns zu schlagen.

www.eintracht.de: Du hat jetzt viel über die Mannschaft gesprochen, werden die einzelnen Spieler auch individuell mit spezifischen Videos von Dir gefüttert?
MD: In regelmäßigen Abstanden gibt es Einzelgespräche mit Spielern in denen wir ihnen, gemeinsam mit unserem Co-Trainer Reiner Geyer, anhand von Spielszenen negatives Spielverhalten zeigen und korrigieren oder positives Spielverhalten loben. Das wird sehr gut angenommen von den Jungs.

www.eintracht.de: Vor dem Spiel gegen Fürth lief auf dem Videowürfel ein toller Zusammenschnitt über die gesamte Hinrunde dieser Saison, war das so eine Art Motivationsvideo von Dir?
MD: Ja genau, aber es war nur ein kurzer Ausschnitt. Das gesamte Video hatten wir für die Mannschaft erstellt und haben es vor dem KSC Spiel gezeigt. So etwas kommt bei den Spielern immer gut an. Schafft Abwechslung und sorgt für gute Stimmung.

www.eintracht.de: Kommen wir mal unmittelbar zum Spielgeschehen, wo bist du während des Spiel und was sind deine Aufgaben? Werden Szenen schon in der Halbzeit gezeigt?
MD: Vor dem Spiel werfe ich unsere erarbeitete Taktik nochmal auf den Beamer in der Kabine, so dass jeder Spieler nochmal eine zusammengefasste Übersicht über unser Verhalten hat. Während des Spiels sitze ich neben der Trainerbank und verfolge von dort aus das Spiel. Speziell bei Zuordnungsproblemen und Abläufen in Standardsituationen können wir hier unmittelbar Hinweise liefern. Ob Bewegtbilder auch in der Halbzeit gezeigt werden, hängt vom jeweiligen Trainer ab. Momentan laufen bei uns keine. Unter CD haben wir hin und wieder aussagekräftige Szenen gezeigt, aber nur ganz wenige. Man darf die Spieler während der Pause auch nicht mit Bildern überladen. Aber auch schon während des Spiels habe ich die Möglichkeit auf alle Live- Laufdaten und Statistiken zu schauen und dem Trainer hier schon erste Rückmeldungen zu geben.

www.eintracht.de: Mal weg vom Spiel, welche Einsatzmöglichkeiten bestehen im täglichen Training?
MD: Auch das hängt stark von den Wünschen des Trainers ab. Wir haben bspw. mehrfach das Torwarttraining aufgenommen, um mit dem Torwarttrainer (Moppes Petz) und unseren Torhütern das Training aus einem anderen Blickwinkel zu beobachten um dann Korrekturen im Detail anzusprechen. Grundsätzlich kann im Training kontinuierlicher und gezielter analysiert werden, als lediglich in einer Mannschaftssitzung vor dem Spiel.

www.eintracht.de: Welches Equipment braucht ein Verein, um überhaupt Videoanalysen betreiben zu können?
MD: Das ist schnell aufgezählt. Eine Videokamera für eigene Aufnahmen, Laptop, PC, diverse Bearbeitungsprogramme und einen Beamer zur Demonstration wäre nicht schlecht. Je nach Budgetlage kann hier natürlich unterschiedliche Qualität geordert werden. Die Bearbeitungsprogramme bringen eine Vielzahl an Analysemöglichkeiten mit sich. So kann grafisch alles Mögliche, wie bspw. Laufwege oder freie Räume, eingezeichnet werden. Mittlerweile ist es auch möglich 3D-Analysen zu erstellen. Damit kann man sich eine Szene aus unterschiedlichen Perspektiven anschauen. Dort besteht dann bspw. auch die Möglichkeit „Ghostspieler“ einzufügen, welche die ideale Positionierung im Spiel zeigen. An Hand dessen kann der Spieler bei einem Fehlverhalten genau sehen, wie er sich denn zu stellen gehabt hätte.

www.eintracht.de: Gibt es eigentlich Kontakt zu den Videoanalysten der anderen Bundesligavereine, schaut man, was die Konkurrenz macht?
MD: Ja, ein paar Mal im Jahr gibt es von der DFL ein offizielles Treffen aller Analysten der 1. und 2. Bundesliga. Dort tauschen wir uns über neue Methoden sowie Software zur effektiven Arbeitsweise aus. Darüber hinaus besuche ich regelmäßig Messen zu aktuellen Analysesystemen, Möglichkeiten und Entwicklungen der Szene.

www.eintracht.de: Vielen Dank für das Gespräch und den Einblick in Deine Arbeit!

(JS)

Dienstag, 17.01.2012, 13:06 Uhr

TABELLE

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2 FC St. Pauli
3 SpVgg Greuther Fürth
4 Fortuna Düsseldorf
5 SC Paderborn
6 TSV München 1860
7 1. FC Union Berlin
8 Eintracht Braunschweig
9 VfL Bochum 1848
10 Dynamo Dresden
11 FC Energie Cottbus
12 MSV Duisburg
13 Alemannia Aachen
14 FC Erzgebirge Aue
15 Karlsruher SC
16 FSV Frankfurt 1899
17 FC Ingolstadt 04
18 Hansa Rostock

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